Ökologisch-Demokratische Partei
Ortsverband Neufahrn-Eching

Veröffentlicht im Echinger Forum, Ausgabe 03/2022

Portrait Markus Hiereth

Der Atomausstieg bleibt richtig

Wenn Sie diese Ausgabe des Forums lesen, könnte die Lage in der Ukraine schon eine andere als beim Schreiben sein. Hoffentlich wird sie nicht noch schlimmer. Eine Bewertung der Worte Wladimir Putins erübrigt sich. Wie der Kreml mit Oppositionellen oder unabhängigen Organisationen umging; wo und wie er in den letzten Jahren militärisch intervenierte, sagt genug. Insofern sollten wir uns über "Wandel durch Handel" nochmal Gedanken machen. Sind etwa wir die Wandelbaren, wenn wirtschaftliche Interessen und demokratische Ideale nicht zusammenwollen?

Gut, dass bei den fossilen Energien jetzt auch noch die Importabhängigkeit Bedenken auslöst. Doch einen Grund, Propheten des Gestern in die Arme zu laufen, gibt es nicht. Ja - jene, die den Atomausstieg weder wollten noch verstanden, verschaffen sich wieder Gehör. Bedeutung bekommt das nur, weil einzelne Politiker signalisieren, dass sie sich auch noch ein drittes Mal wenden würden: Vor Fukushima demontierten Union und FDP den rot-grünen Ausstieg, nach Fukushima terminierten sie ihn neu auf 2022 und plötzlich kommt dieses Jahr einem bayerischen Ministerpräsidenten wieder ungelegen.

Man könnte sich darüber ärgern. Im Fall von Markus Söder darf man die Sache als "Profilschärfung eines Profillosen" sehen. Zumal der Ministerpräsident stichhaltige Argumente schuldig blieb. Sicher: Sowohl mit Erdgas als auch mit Uran wird Strom produziert. Doch käme es zum Blackout, wenn Putin den Gashahn zudreht? Erinnern wir uns: 2014 machte Horst Seehofer das Gaskraftwerk Irsching zur Chefsache. Die Entscheidung, dass diese neue und hoch effiziente Anlage mit Landesmitteln subventioniert werden muss, wunderte schon. Doch der Strom aus Kohle war damals halt billiger. Dessenungeachtet hatten und haben Gaskraftwerke ihren Platz im System. Weil sie, im Gegensatz zu Kohle- und Atommeilern, rasch regelbar sind. In Nachfragespitzen gehen sie in Betrieb und sind, da der dann eingespeiste Strom hoch vergütet wird, auch konkurrenzfähig. Trotzdem dreht sich die deutsche Stromerzeugung nicht um russisches Gas.

Durch Atomstrom nicht ersetzbar ist Gas hingegen in der Industrie und im Sektor Wärme. Deswegen ist es an der Politik, beim Heizen ohne Verzug das Sparen anzusagen. Jedes Grad verringerter Raumtemperatur im europäischen Gebäudebestand senkte den Verbrauch um 10 Milliarden Kubikmeter pro Jahr, was einem Fünftel des Gasbezugs über North Stream 1 entspricht. 19, 18 oder 17 statt 21°C sind zumutbar. Dann tragen wir eben im Büro Strickweste und sitzen abends mit Decke auf dem Sofa. Vergegenwärtigt man sich das Leben in Mariupol, ohne Strom, Heizung und Wasser, ist dies keine Härte und dämpft bei den allseits beklagten Energiepreisen obendrein die Nebenkosten.

Der Atomausstieg bleibt richtig. Hätte Angela Merkel in Berlin und Seehofer / Söder für Bayern die Energiewende konsequent verfolgt, stünden wir jetzt besser da. Kombiniert können Sonne und Wind den Strombedarf fast das ganze Jahr decken. Es liegt an uns, wann es so weit ist. Schon 1986 hätte die radioaktive Verseuchung halb Europas durch Tschernobyl eine Abkehr vom Atomstrom gerechtfertigt. Immerhin holen die Tatsachen die Schönfärber rascher und rascher ein. Was beispielsweise haben sie zu der ein paar Tage alten Meldung zu sagen, wonach Militärs bei Saporischschja nichts besseres einfiel, als auf einem Gelände mit sechs Atommeilern herumzuballern?

Markus Hiereth / Simon Wankner

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