Ökologisch-Demokratische Partei
Ortsverband Neufahrn-Eching

Veröffentlicht im Echinger Forum 09/2026
(leicht überarbeitete Fassung vom 28.09.2026)

Portrait Markus Hiereth

Kraftlose Gemeindevertreter und kaltgestellte Fahrgastanliegen

Der Experte ließ dem Gemeinderat gegenüber keine Zweifel: Eine Klage gegen den sechsspurigen Ausbau der Deggendorfer Autobahn sei aussichtslos. Schlucken musste man als Zuhörer in der Juli-Sitzung nur bei seiner Aussage, es obliege dem Freistaat Bayern, Landschaft und Klima zu schützen. Von daher brauche eine Gemeide damit nicht argumentieren.

Da inzwischen über die Grünen hinaus das komplette politische Spektrum [1] Echings die immensen Kosten des Vorhabens hinterfragt und sich an seinem Flächenverbrauch reibt, wäre es nur konsequent, wenn die Ortsverbände von CSU, FW und SPD diese Position auch gegenüber den auf Landes- und Bundesebene Verantwortlichen des eigenen Lagers bekundeten.

Sollte es um mehr Kapazität gehen, wäre eine Steuerung des Verkehrsflusses zeitgemäß und billiger. Gegen einzelne Staus auf der A92 und der B471 würde es helfen, wenn die Anschlussstelle Oberschleißheim nach einem Ausbau ohne Ampeln auskäme.

Kritisiert sei bei dieser Gelegenheit die eher launengetriebene als rationale bayerische Verkehrspolitik [2][3][4]. In den frühen 2000er war der CSU ein genau neben der Autobahn zum Flughafen flitzender Magnetschwebezug wichtig. Nachdem der Bund das Prestigeprojekt nicht unterstützte, verschwand alles in den Schubläden. Obwohl damals ein Gutachten darlegte, dass mit zwei konventionellen Gleisen entlang der Autobahn der Bahnbetrieb zwischen Freising und München endlich stabilisiert werden könnte. Mit der aktuellen Infrastruktur werden uns die Mängel beim Nahverkehr noch lange begleiten. Die Entscheidungsträger dürften diesbezüglich bestens informiert sein.

Womöglich deswegen entwirft der Münchner Verkehrsverbund MVV in Wort und Bild an Haltestellen und in seinen Verkehrsmitteln eine heile Welt, zu der jeder beitragen möge, indem er bus- und bahnfahrend Ressourcen und Klima schont. Zugleich pervertiert das Unternehmen, wofür der Begriff "Kundendialog" stehen sollte.

Als Vielnutzer habe ich den MVV in letzten Jahren häufiger auf dem vorgesehenen Weg auf Probleme hingewiesen: Darunter eine an Umlauten wie ä, ö und ü scheiternde Internet-Fahrplanauskunft, einen Vandalismus-Schaden, fehlende Informationen an Haltestellen und einen ausgebliebenen Bus. Nur in einem Fall teilte ein Mitarbeiter mit, dass das Problem bearbeitet werde. Neun Monate später war es beseitigt, doch bald darauf die Seite überhaupt nicht mehr erreichbar. In allen weiteren Fällen gab es nur eine automatische Eingangsbestätigung, in der von vielen täglich eingehenden Mails und von sorgfältiger Bearbeitung die Rede war. Doch Antworten, mit denen es "etwas länger dauern" könne, trafen nie ein [5].

Mit einem Verweis, dass Teile der privaten Wirtschaft mit ihrer Kundschaft geradeso übel umgehen, mag ich mich nicht abfinden. Vielmehr möge Bernd Rosenbusch, Geschäftsführer des MVV entweder einlösen, was der Begriff "Kundendialog" verspricht oder der Öffentlichkeit reinen Wein einschenken und erklären, dass er es vorziehe, sein Personal anderswo einzusetzen.

Markus Hiereth

Anmerkungen und Verweise

1
2
siehe Leserbrief vom 29.08.2021 von Tobias von Wangenheim
3
siehe ÖDP-Beitrag im Echinger Forum 05/2023 Autobahnausbau - mögliche Bahntrasse offenbar unberücksichtigt
4
Wenn der Nordtunnel nicht weiterverfolgt werden sollte, dann wäre es sinnvoll, die zwei Gleise entlang der A 92 nun zumindest planerisch so weit voranzutreiben, dass der geplante 6-streifige Ausbau Neufahrn - Feldmoching, mit dessen Bau schon in den nächsten Jahren begonnen werden soll, den Bau der zwei zusätzlichen Gleise schon berücksichtigt. So müssten dann Straßenbrücken, die über die Autobahn führen und wegen des 6-streifigen Ausbaus ohnehin neu gebaut werden, gleich den entsprechenden Durchlass für die künftige Eisenbahnstrecke vorsehen, auch wenn die Gleise möglicherweise erst in einem zweiten Schritt verlegt werden. Angesichts der schon in den 1990er Jahren bestandenen Dringlichkeit des Projektes wäre es ein politisches Armutszeugnis, wenn zwei Spuren für die Autobahn innerhalb weniger Jahre, doch der Bau zwei zusätzlicher Eisenbahngleise auf derselben Trasse auch nach 30 Jahren nicht möglich sein sollte. aus "Analyse des Bundesverkehrswegeplans und der 181 Zusatzprojekte für den Deutschland-Takt"
des Planungsbüros Vieregg & Rössler vom Juni 2023
5
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